Der Aufstieg von Robert James - genannt Bobby - Fischer bis zum Gewinn der Weltmeisterschaft gegen Spasskij 1972 in Reykjavik löste weltweit einen großen Schachboom aus. Er hatte sich bereits in frühester Jugend dem königlichen Spiel verschrieben und arbeitete sehr hart an seinem Erfolg. "Im November 1956 erschien dann Fischers Name zum ersten Mal in den bedeutendsten Schachzeitschriften der Welt, als er Donald Byrne ... in einem Spiel großer Klarheit und Brillanz schlug. Hans Kmoch nannte es in seinem "Chess Review" "das Spiel des Jahrhunderts" und schrieb: "...ein erstaunliches Meisterstück im Kombinationsspiel, von einem dreizehnjährigen Jungen gegen einen mächtigen Gegner geführt, das den schönsten Großtaten in der uns bekannten Schachgeschichte gleichkommt..." (Gligoric in "Fischer-Spasskij", S. 160f).
1.Sf3
Sf6
2.c4
g6
3.Sc3
Lg7
4.d4
0-0
5.Lf4
d5
6.Db3
dxc4
7.Dxc4
c6
8.e4
Sbd7
[8...Lg4
9.Le2
Sfd7
10.Td1
Lxf3
11.Lxf3
e5
12.dxe5
Lxe5
13.Lxe5
Sxe5
14.Txd8
Sxc4
15.Txf8+
Kxf8
16.Le2!
Sb6
17.Kd2+/=
Dydyshko,V-Dorfman,J/Minsk/1986/1:0/57/ (Shipov); 8...b5!?
9.Db3
Da5
10.Ld3
Le6
11.Dd1
c5<=>
(Shipov)]
9.Td1
Sb6
10.Dc5
[10.Dd3!?
Le6
11.Le2
Lc4
12.Dc2
Lxe2
13.Dxe2+/=
]
10...Lg4
11.Lg5?
übersieht den folgenden brillanten Schlag. [Besser ist 11.Le2
Sfd7
12.Da3
Lxf3
13.Lxf3
e5
14.dxe5
De8
15.Le2
Sxe5
16.0-0+/=
Flear,G-Morris,P/Dublin/1991/1:0/46/(Shipov)]
11...Sa4!!
dynamische Fortsetzungen dieser Art ließ sich Fischer auch später so gut wie nie entgehen
12.Da3
die Taktik funktioniert aus schwarzer Sicht, wie die folgenden Varianten zeigen: [12.Sxa4
Sxe4
13.Dc1
(13.Dxe7
Da5+
(13...Dxe7
14.Lxe7
Tfe8-+
) 14.b4
Dxa4
15.Dxe4
Tfe8
16.Le7
Lxf3
17.gxf3
Lf8-+
; 13.Lxe7
Sxc5
14.Lxd8
Te8+
15.Le2
Sxa4-+
; 13.Db4
Sxg5
(selbst 13...Lxf3
14.Lxe7
Lxd1
15.Lxd8
Taxd8
ist chancenreich für Schwarz.) 14.Sxg5
Lxd1
15.Kxd1
Lxd4-/+
) 13...Da5+
14.Sc3
Lxf3
15.gxf3
Sxg5-+
; 12.Db4
Sxc3
13.bxc3
Sxe4
14.Lxe7
De8
15.Td3
c5!
16.Dxb7
Sd6
17.Dc7
Sf5-+
]
12...Sxc3
13.bxc3
Sxe4!
erneut ist es ein Springerausfall, der dem in der Entwicklung zurückgebliebenen Weißen Probleme bereitet.
14.Lxe7
Db6!
[14...De8?
15.Td3!
und Weiß ist noch voll im Spiel.]
15.Lc4
Byrne setzt auf schnellstmöglichen Abschluß seiner Entwicklung. [Mit 15.Lxf8!?
die Qualität zu gewinnen, hätte zwar nach 15...Lxf8
16.Db3
(16.Dc1
Te8
17.Le2?!
Sxc3-+
) 16...Sxc3
17.Dxb6
axb6
18.Ta1
(18.Td2
Lb4
19.Tb2
La5-+
) 18...Te8+
19.Kd2
(19.Se5
f6
20.f3
fxe5
21.fxg4
exd4+
22.Kd2
b5-+
) 19...Se4+
20.Kc2
Sxf2
21.Tg1
Te3-/+
/-+ in ein schlechtes Endspiel geführt, kam aber aus praktischer Sicht auch in Betracht.; 15.Le2
Tfe8
16.0-0?!
Dc7
17.Lh4
g5-+
; 15.Ld3
Sxc3!
16.Dxc3
(16.Lxf8?
Lxf8-+
) 16...Tfe8-+
]
15...Sxc3!
[15...Tfe8?
ermöglicht die Evakuierung des weißen Königs mit 16.0-0=/+
]
16.Lc5
Byrne ahnt wohl noch nicht, welch schrecklicher Schlag im siebzehnten Zug noch auf ihn wartet, [sonst hätte er vermutlich 16.Dxc3!?
gezogen: 16...Tfe8
17.De3!?
(17.Lxf7+?
Kxf7
18.Sg5+
Kxe7
19.0-0
Lxd1
20.Txd1
Db5-+
) 17...Lxf3
18.gxf3
Dc7-/+
/-+ und die ungleichfarbigen Läufer geben Weiß noch etwas Hoffnung, obwohl Schwarz meiner Meinung nach auch hier auf Gewinn steht.; 16.Lxf8
Lxf8
17.Dxc3?
Lb4-+
]
16...Tfe8+
17.Kf1
[17.Kd2
Se4+-+
; 17.Se5
Lxe5
18.Lxb6
Ld6+-+
]
17...Le6!!
dieser Läuferrückzug ist die eigentliche Pointe der ganzen Kombination. [Nach 17...Sb5?
hätte Weiß indessen das Blatt zu seinen Gunsten wenden können: 18.Lxf7+!
Kh8
(18...Kxf7?
19.Db3+
Le6
20.Sg5+
Kg8
(20...Kf6?
21.Df3+
Lf5
22.Sxh7+
Kf7
23.Lxb6+-
) 21.Sxe6
Sxd4
22.Sxd4+
Dxb3
23.Sxb3+-
(Fischer)) 19.Lxb6
Sxa3
20.Lxe8+/=
(Shipov)]
18.Lxb6?!
danach spielt sich die Stellung für Schwarz leicht. Rückzüge des Läufers c4 waren zäher. [18.Lxe6?
führt zu einem sehr hübschen erstickten Matt: 18...Db5+
19.Kg1
Se2+
20.Kf1
Sg3+
21.Kg1
Df1+
22.Txf1
Se2#
; 18.Dxc3
Dxc5
19.dxc5
Lxc3
20.Lxe6
Txe6-+
; 18.Ld3!?
Sb5
19.Db4
Dd8-+
; 18.Le2!?
Sb5
19.Db4
Dd8
20.a4
a5
21.Db2
Sd6-+
; 18.d5?
Lxd5
19.Txd5?
Db1+
20.Se1
Dxe1#
]
18...Lxc4+
19.Kg1
Se2+
20.Kf1
Sxd4+
21.Kg1
[21.Td3?
axb6
22.Dc3
Sxf3-+
23.Dxc4?
Te1#
]
21...Se2+
22.Kf1
Sc3+
23.Kg1
axb6
24.Db4
[24.Dd6
Tad8
(24...Sxd1
25.Dxd1
Txa2-+
) 25.Dxd8
Se2+
26.Kf1
Sd4+
27.Kg1
Txd8-+
]
24...Ta4
25.Dxb6
[25.Dd6
Sxd1
26.Dxd1
Txa2
27.h3
Ta1-+
]
25...Sxd1-+
26.h3
Txa2
27.Kh2
Sxf2
28.Te1
Txe1
29.Dd8+
Lf8
30.Sxe1
Ld5
31.Sf3
Se4
32.Db8
b5
33.h4
h5
34.Se5
Kg7
35.Kg1
Lc5+
36.Kf1
[36.Kh1
Sg3+
37.Kh2
Sf1+
38.Kh3
Lxg2#
; 36.Kh2
Ld6-+
]
36...Sg3+
37.Ke1
Lb4+
38.Kd1
Lb3+
39.Kc1
Se2+
40.Kb1
Sc3+
41.Kc1
Tc2#
Dieser Sieg bewirkt, daß Fischer im Rosenwaldturnier mit 4.5/11 am Ende den achten Platz teilt, für einen Dreizehnjährigen zweifellos ein sehr großer Erfolg.
Quellen: "Das große Schachbuch", Martin Beheim Schwarzbach, Droemer Verlag, S. 214.
"Fischer-Spasskij, Schachmatch des Jahrhunderts", Svetozar Gligoric, Droemer Knaur Verlag 1972.
Kommentar von Shipov aus der ChessBase MEGABASE 99 (MCL 07) 0-1